Erben oder Kredit aufnehmen – was lohnt sich?

Erbengemeinschaften sind häufig zusammengewürfelte Gemeinschaften von Personen, die zudem häufig miteinander im Streit um die Nutzung und Verwaltung des Nachlasses liegen. Im Gegensatz zu Gesellschaften wie der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, der OHG, der Kommanditgesellschaft etc. verfolgen die Miterben keine gemeinsamen Zwecke. Auch die Aufnahme eines Kredites muss durch alle Miterben gemeinsam beschlossen werden, um Wirkung zu entfalten.
Die Erbengemeinschaft ist somit auf möglichst baldige Auseinandersetzung ausgerichtet. Bei der Auseinandersetzung kann der Miterbe den in seinem Erbteil steckenden Wert realisieren.

Die Auseinandersetzung durch den Erbrechtsanwalt

Die beste Möglichkeit ist ein sog. Auseinandersetzungsvertrag unter den Miterben, in dem genau geregelt wird, welcher Miterbe, welchen Teil des Nachlasses erhält, wie die Schulden aufzuteilen sind, etc. Der Auseinandersetzungsvertrag sollte am besten in notarieller Form erfolgen. Zwingend ist diese Form dann, wenn im Rahmen der Auseinandersetzung Immobilien (Grundstücke, Häuser, Eigentumswohnungen) oder GmbH- Geschäftsanteile übertragen werden.

Das Erbrecht in Deutschland spitzt sich zunehmend zu.

Das Erbrecht in Deutschland spitzt sich zunehmend zu.

Aber auch in den übrigen Fällen ist die notarielle Form des Auseinandersetzungsvertrages wegen der Sachkunde und der Beratungspflicht durch den beurkundenden Notar empfehlenswert. Zustimmung der Miterben bei der Kreditaufnahme erwünscht.

Ein anderer Weg ist die sog. Abschichtung: Hier vereinbart ein Miterbe mit den übrigen Miterben, dass er gegen Befreiung von allen Nachlassverbindlichkeiten und Zahlung einer Abfindung aus der Erbengemeinschaft ausscheidet.

Hierbei muss beachtet werden, dass der ausscheidende Miterbe gegenüber den Nachlassgläubigern im Außenverhältnis nur frei wird, wenn diese der Schuldübernahme durch die verbleibenden Miterben zustimmen. Bei fehlender Zustimmung durch die Gläubiger sind allerdings die anderen Miterben zur internen Freistellung des Miterben verpflichtet.

Mit Wirksamwerden des Vertrages scheidet der abgeschichtete Miterbe aus der Erbengemeinschaft aus. Sein Anteil wächst den verbleibenden Miterben oder dem Kreditinstitut proportional zu deren bereits vorhandenen Erbquoten zu. Befindet sich ein Grundstück im Eigentum der Erbengemeinschaft, muss aufgrund des Ausscheidens des abgeschichteten Miterben das Grundbuch berichtigt werden.

Welche Möglichkeiten bietet das Erbrecht in München?

Praxistipp: Das Ausscheiden des weichenden Miterben sollte aufschiebend bedingt werden durch die Zahlung der Abfindung mittels eines Kredites einerseits und die wirksame Befreiung von den Nachlassschulden im Außenverhältnis zu den Gläubigern andererseits.

Ein weiterer Weg der Anteilsverwertung besteht darin, dass der Miterbe seinen Anteil verkauft. Sowohl der schuldrechtliche Kaufvertrag, als auch die Vollziehung desselben, bedürfen der notariellen Form. Der Anteilserwerber wird vermögensrechtlich an den Aktiva und Verbindlichkeiten des Nachlasses so beteiligt, wie der veräußernde Erbe.

Letzter bleibt zwar noch Erbe, so dass der Erbschein nicht berichtigt zu werden braucht, verliert aber jede Vermögensbeteiligung am Nachlass. Der Erbanteil kann an einen Miterben oder auch an Aussenstehende Dritte veräußert werden. Im letzteren Falle haben die übrigen Miterben aber ein Vorkaufsrecht, um das Eindringen unerwünschter Erbteilkäufer zu verhindern.

Fazit:
Als letzte Möglichkeit verbleibt die zwangsweise Durchsetzung der Auseinandersetzung mit Hilfe eines Rechtsanwalts für Erbrecht in München. Sofern der Erblasser nicht ein Auseinandersetzungsverbot oder Kreditaufnahmeverbot im Testament verhängt hat, hat jeder Miterbe jederzeit den Anspruch aus Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Dieser Anspruch richtet sich aber nur auf eine Gesamtauseinandersetzung, nicht auf eine Teilauseinandersetzung.